Sie haben fast zwei Jahre lang Krankengeld bezogen, doch jetzt kommt der Brief von der Krankenkasse: die Aussteuerung. Ihr Arbeitsvertrag läuft weiter – niemand hat Sie gekündigt –, aber das Krankengeld fließt nicht mehr.

Maximale Krankengeldbezugsdauer: 78 Wochen ·
Krankengeldhöhe: 70 % des Bruttogehalts (max. 90 % Netto) ·
Arbeitslosengeld I (ohne Kind): 60 % des letzten Nettogehalts ·
Arbeitslosengeld I (mit Kind): 67 % des letzten Nettogehalts

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob der Arbeitgeber aufgrund langer Krankheit kündigt, ist Einzelfall – Factorial HR nennt hierzu Kriterien
  • Ob eine Krankschreibung nach Aussteuerung zu einer Sperrzeit führt, hängt von der Vermittelbarkeit ab – SoVD Schleswig-Holstein warnt vor Risiken
  • Die genaue Dauer des Arbeitslosengeldes I variiert je nach vorheriger Beschäftigungszeit – Sozialverband VdK gibt Details zur Bezugsdauer
3Zeitleisten-Signal
  • Woche 1–78: Krankengeldbezug (Factorial HR)
  • Woche 78: Aussteuerung – Krankengeld endet (Factorial HR)
  • Sofort nach Aussteuerung: Arbeitslos melden beim Arbeitsamt (Bundesagentur für Arbeit)
  • Danach: Prüfung auf Arbeitslosengeld I oder Nahtlosigkeit (Sozialverband VdK)
4Wie es weitergeht
  • Arbeitslos melden bei der Agentur für Arbeit
  • Krankschreibung prüfen – aber Sperrzeitrisiko beachten
  • Nahtlosigkeitsregelung beantragen, falls Erwerbsminderungsrente läuft
  • Beratung bei der Agentur für Arbeit einholen
  1. Melden Sie sich sofort bei der Agentur für Arbeit – spätestens am ersten Tag nach Ende des Krankengeldes.
  2. Beantragen Sie Arbeitslosengeld I – füllen Sie die Formulare aus und reichen Sie alle Unterlagen ein.
  3. Prüfen Sie die Nahtlosigkeitsregelung – falls ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft.
  4. Wägen Sie die Krankschreibung ab – sie kann sinnvoll sein, aber auch eine Sperrzeit auslösen.
  5. Holen Sie im Zweifel anwaltlichen Rat – besonders bei drohender Kündigung.

Hier die entscheidenden Werte auf einen Blick:

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Merkmal Wert
Maximale Krankengelddauer 78 Wochen
Krankengeldhöhe 70 % des Bruttogehalts, gedeckelt
Arbeitslosengeld I (ohne Kind) 60 % des letzten Nettogehalts
Arbeitslosengeld I (mit Kind) 67 % des letzten Nettogehalts
ALG I Bezugsdauer (max.) 12–18 Monate, abhängig von Versicherungszeit

Was passiert mit meinem Arbeitsverhältnis, wenn ich ausgesteuert werde?

Besteht das Arbeitsverhältnis fort?

Ja, das Arbeitsverhältnis besteht rechtlich fort, selbst wenn das Krankengeld nach 78 Wochen endet. Die Aussteuerung allein ist keine Kündigung. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen weiterhin Lohn zahlen, wenn Sie arbeitsunfähig sind und Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben – das gilt jedoch nur für die ersten sechs Wochen einer neuen Erkrankung Factorial HR (Personalwesen-Portal).

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber?

Der Arbeitgeber muss die betroffene Person bei der Sozialversicherung abmelden, sobald der Krankengeldbezug endet. Als Meldegrund ist „Grund 30“ anzugeben – Abmeldung wegen Ende einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Das bedeutet nicht, dass das Arbeitsverhältnis beendet ist, sondern dass die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr durch Krankengeld abgesichert wird.

Die Krux

Zwar müssen Arbeitgeber die Sozialversicherung abmelden, doch Sie bleiben Angestellte(r). Die Lohnfortzahlungsfalle – bei unveränderter Erkrankung kein neuer Anspruch – kann zur finanziellen Belastung werden.

Das Arbeitsamt erwartet, dass Sie sich spätestens am ersten Tag nach Ende des Krankengeldbezugs persönlich melden. Bringen Sie Ausweis, das Schreiben der Krankenkasse, Ihre Rentenversicherungsnummer und einen aktuellen Lebenslauf mit.

Die sofortige Meldung bei der Agentur für Arbeit ist der wichtigste Schritt – Unterlassung führt zu Leistungslücken.

Bin ich automatisch gekündigt, wenn ich ausgesteuert bin?

Automatische Kündigung durch Aussteuerung?

Nein, eine automatische Kündigung gibt es nicht. Die Aussteuerung ist ein rein versicherungsrechtlicher Vorgang – sie beendet den Krankengeldanspruch, nicht den Arbeitsvertrag.

Kündigung durch Arbeitgeber wegen langer Krankheit

Der Arbeitgeber kann jedoch unter bestimmten Umständen kündigen – eine sogenannte personenbedingte Kündigung. Dafür muss eine negative Prognose vorliegen (etwa dass eine Besserung unwahrscheinlich ist), das Unternehmen erheblich belastet sein und die Interessenabwägung zuungunsten des Arbeitnehmers ausfallen. Die reine Aussteuerung allein ist kein Kündigungsgrund.

Achtung

Wird Ihnen gekündigt, während Sie krankgeschrieben sind, sollten Sie umgehend einen Fachanwalt für Arbeitsrecht kontaktieren – die Kündigung kann unwirksam sein, wenn der Kündigungsschutz greift.

Eine Kündigung wegen Krankheit ist nicht automatisch wirksam – anwaltliche Prüfung ist ratsam.

Soll ich mich nach Aussteuerung weiter krankschreiben lassen?

Vorteile der Krankschreibung

Wenn Sie weiterhin arbeitsunfähig sind, kann eine Krankschreibung sinnvoll sein – etwa um die Zeit bis zur Entscheidung über eine Erwerbsminderungsrente zu überbrücken. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt in der Regel während des Prüfverfahrens weiter Arbeitslosengeld.

Risiken: Sperrzeit beim Arbeitslosengeld

Wer sich krankmeldet, stellt sich nicht uneingeschränkt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Das kann zu einer Sperrzeit führen, wenn die Agentur für Arbeit die Vermittelbarkeit als eingeschränkt bewertet. Der Sozialverband SoVD Schleswig-Holstein rät, sich nur dann krankzumelden, wenn die Nahtlosigkeitsregelung greift – also ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft SoVD Schleswig-Holstein (Sozialverband).

Der SoVD Plön stellt klar: Eine Krankmeldung ist unproblematisch, solange die Nahtlosigkeitsregelung angewendet wird – die Agentur prüft das automatisch.

Krankschreibung und Nahtlosigkeit gehen Hand in Hand – ohne Nahtlosigkeit droht die Sperrzeit.

Wie lange zahlt das Arbeitsamt nach Aussteuerung?

Arbeitslosengeld I Dauer

Das Arbeitslosengeld I wird nach Erfüllung der Anwartschaftszeit gezahlt. Die Dauer hängt von Ihrem Lebensalter und der Dauer Ihrer versicherungspflichtigen Beschäftigung ab: maximal 12 bis 18 Monate Sozialverband VdK (Sozialverband). Die Höhe beträgt 60 % (ohne Kind) bzw. 67 % (mit Kind) des letzten Nettogehalts.

Voraussetzungen für ALG I

  • Sie müssen arbeitslos sein (das ist bei fortbestehendem Arbeitsverhältnis nur der Fall, wenn die Arbeitszeit unter 15 Wochenstunden sinkt).
  • Sie müssen sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden.
  • Sie müssen dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung stehen – Ausnahme: Nahtlosigkeitsregelung nach § 145 SGB III.

Die Techniker Krankenkasse erklärt, dass nach maximal 78 Wochen Krankengeld die Betroffenen Arbeitslosengeld bei der Bundesagentur beantragen können.

Der Anspruch auf ALG I besteht, aber die genauen Voraussetzungen müssen individuell geprüft werden.

Wie lange darf ich beim Arbeitsamt krank sein, wenn ich ausgesteuert bin?

Krankmeldung beim Arbeitsamt

Wenn Sie weiterhin krank sind, müssen Sie sich beim Arbeitsamt krankmelden. Es gibt keine festgelegte Höchstdauer, aber die Agentur kann die Leistung sperren, wenn Sie nicht vermittelbar sind. Anders liegt der Fall, wenn ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente oder eine Reha-Maßnahme läuft – dann greift die Nahtlosigkeitsregelung.

Nahtlosigkeitsregelung

Die Nahtlosigkeitsregelung nach § 145 SGB III sorgt dafür, dass Sie nach Aussteuerung weiterhin Arbeitslosengeld erhalten, wenn Sie auf eine Entscheidung über Erwerbsminderungsrente warten – ohne Sperrzeit wegen fehlender Verfügbarkeit. Die Nahtlosigkeitsregelung nach § 145 SGB III sorgt dafür, dass Sie nach Aussteuerung weiterhin Arbeitslosengeld erhalten, wenn Sie auf eine Entscheidung über Erwerbsminderungsrente warten – ohne Sperrzeit wegen fehlender Verfügbarkeit, wie sie beispielsweise bei der ${Lone Star Abwicklung Spinoff} auftreten kann. Lone Star Abwicklung Spinoff

Was das bedeutet

Die Nahtlosigkeitsregelung ist der Rettungsanker für alle, die nach Aussteuerung noch keine Klarheit über ihren Gesundheitszustand haben. Sie überbrückt die Zeit bis zur Rentenentscheidung – und Sie erhalten weiterhin ALG I, ohne dass Ihnen eine Sperrzeit droht.

Die Nahtlosigkeitsregelung ist der Schlüssel – ohne sie drohen Leistungslücken.

Bestätigte Fakten

  • Aussteuerung beendet den Krankengeldanspruch der Krankenkasse (Factorial HR)
  • Das Arbeitsverhältnis besteht ohne Kündigung fort (Factorial HR)
  • Nach Aussteuerung muss man sich arbeitslos melden, um Leistungen zu erhalten (Bundesagentur für Arbeit)

Was unklar ist

  • Ob der Arbeitgeber aufgrund langer Krankheit kündigt, ist Einzelfall
  • Ob eine Krankschreibung nach Aussteuerung zu einer Sperrzeit führt, hängt von der Vermittelbarkeit ab
  • Die genaue Dauer des Arbeitslosengeldes I variiert je nach vorheriger Beschäftigungszeit

Vor- und Nachteile der wichtigsten Optionen

Vorteile Krankschreibung

  • Keine Sperrzeit bei Nahtlosigkeitsregelung
  • Dokumentation der Arbeitsunfähigkeit für Rentenverfahren
  • Weiterhin ALG I während des Prüfverfahrens

Nachteile Krankschreibung

  • Risiko der Sperrzeit, wenn keine Nahtlosigkeit greift
  • Eingeschränkte Vermittelbarkeit – weniger Jobangebote
  • Unklarheit über den Status beim Arbeitsamt

Zeitlicher Ablauf nach der Aussteuerung:

Zeitraum Ereignis
Woche 1–78 Krankengeld von der Krankenkasse
Woche 78 Aussteuerung: Krankengeld endet
Sofort nach Aussteuerung Arbeitslos melden beim Arbeitsamt (Bundesagentur für Arbeit)
Nach Meldung Prüfung auf Arbeitslosengeld I oder Nahtlosigkeit
Bei weiterer Arbeitsunfähigkeit Krankmeldung beim Arbeitsamt – mögliche Sperrzeit

Stimmen aus der Praxis

„Wer ausgesteuert ist, hat innerhalb einer Frist 78 Wochen Krankengeld von der Krankenkasse erhalten.“

— Bundesagentur für Arbeit (offizielle Behörde)

„Sie leiden nach dem Krankengeld weiterhin unter gesundheitlichen Problemen? Wie Sie damit umgehen sollten.“

— SoVD Schleswig-Holstein (Sozialverband)

„Nach maximal 78 Wochen Krankengeld werden Arbeitnehmer ausgesteuert. Danach können sie Arbeitslosengeld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen.“

— Techniker Krankenkasse (Krankenkasse)

Die Aussteuerung ist kein Karriereende – aber sie zwingt zum Handeln. Wer sich sofort bei der Arbeitsagentur meldet, seine Unterlagen bereithält und die Nahtlosigkeitsregelung prüft, kann Leistungslücken vermeiden. Für Beschäftigte mit fortbestehendem Arbeitsvertrag ist der Weg klar: Arbeitslosengeld I beantragen, die Option Krankschreibung kritisch abwägen und im Zweifel anwaltlichen Rat einholen.

Wer nach 78 Wochen Krankengeld plötzlich dast eht und der Vertrag mit dem Arbeitgeber läuft noch, findet bei Ungekündigt und ausgesteuert – was nun? einen umfassenden Ratgeber mit allen Fristen und Handlungsoptionen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Nahtlosigkeitsregelung?

Die Nahtlosigkeitsregelung nach § 145 SGB III sorgt dafür, dass nach Aussteuerung weiter Arbeitslosengeld gezahlt wird, während ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente oder eine Reha-Maßnahme geprüft wird – ohne Sperrzeit wegen fehlender Verfügbarkeit (Sozialverband VdK).

Kann ich während des Arbeitslosengeldes I krank sein?

Ja, aber dann müssen Sie sich beim Arbeitsamt krankmelden. Die Agentur kann die Leistung sperren, wenn Sie nicht vermittelbar sind – es sei denn, die Nahtlosigkeitsregelung greift.

Wie melde ich mich nach der Aussteuerung beim Arbeitsamt?

Spätestens am ersten Tag nach Ende des Krankengeldbezugs persönlich bei der Agentur für Arbeit erscheinen. Benötigt werden: Ausweis, Schreiben der Krankenkasse, Rentenversicherungsnummer und Lebenslauf.

Was passiert, wenn ich nicht zum Arbeitsamt gehe?

Ohne Meldung erhalten Sie kein Arbeitslosengeld I. Im schlimmsten Fall verlieren Sie den Anspruch rückwirkend und müssen ohne Einkommen auskommen. Zudem kann eine Sperrzeit verhängt werden.

Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld I, wenn ich während des Krankengeldes gekündigt wurde?

Ja, wenn Sie innerhalb der Rahmenfrist von 30 Monaten mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren und die übrigen Voraussetzungen erfüllen.

Kann mein Arbeitgeber mich kündigen, solange ich krankgeschrieben bin?

Grundsätzlich gilt der allgemeine Kündigungsschutz. Eine Kündigung wegen Krankheit ist nur unter strengen Voraussetzungen möglich (negative Prognose, erhebliche Beeinträchtigung, Interessenabwägung). Lassen Sie die Kündigung von einem Anwalt prüfen.

Was bedeutet „78 Wochen“ in Monaten?

78 Wochen entsprechen etwa 18 Monaten (genauer: 78 / 4,348 = 17,9 Monate).